Interview: Thomas Lojek und Inez Björg David

Männer, Liebe, Leben

In diesem Interview unterhält sich Thomas Lojek mit Schauspielerin Inez Björg David über die Identitätssuche der modernen Männer, über die Notwendigkeit von Unterschieden zwischen Mann und Frau und über die Bedeutung spiritueller Aspekte innerhalb von Liebesbeziehungen.  

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Inez Björg David © Knickriem

Inez Björg David begann ihre Schauspielkarriere mit Hauptrollen in den Serien „Verbotene Liebe“ und „Sturm der Liebe“.

Es folgten Hauptrollen in deutschen TV-Filmen wie „Go West – Freiheit um jeden Preis“, „Alaska Johansson“ und „Wiedersehen in Eriksberg“.

2009 war sie im Kino-Erfolg „Männerherzen“ von Simon Verhoeven zu sehen und übernahm auch im zweiten Teil „Männerherzen … und die ganz große Liebe“ eine wesentliche Rolle.

Aktuell spielt sie in der RTL-Produktion „Doc Meets Dorf“ die Serien-Hauptrolle der jungen Medizinerin Fritzi, die es von der Stadt aufs Land verschlägt.

Thomas Lojek ist der Autor von „Die Gefühle der Männer“, „Wahre Liebe statt Geliebte sein“, „Einen Mann emotional dauerhaft binden“ und „Das geheime Muster der Liebe: Warum glückliche Beziehungen kein Zufall sind“.

Die Herzen der Männer und ihre Suche nach den Antworten des Lebens

Thomas Lojek: Liebe Inez, die Filme „Männerherzen“, in denen du mitspielst, waren ganz große Kino-Erfolge in Deutschland.

Neben den Liebesgeschichten, die in beiden Filmen erzählt werden, zeigt sich vor allem ein ganz wesentlicher Charakterzug innerhalb der dort gezeigten Männer-Rollen: Jeder einzelne Mann scheint irgendwie auf der Suche zu sein.

Entweder auf der Suche nach Liebe oder nach Verführungen, nach Bestätigung, nach Sinn, nach Erfolgen oder nach der Frage, was man als Mann mit seinem Leben eigentlich anfangen soll – oder anfangen muss.

Hat der Erfolg von „Männerherzen“ vielleicht etwas damit zu tun?

Mit der Darstellung, dass Männer heute sehr stark „auf der Suche“ sind? Vielleicht viel mehr als es früher der Fall war?

Und wenn ja, wie siehst du als Frau diesen Prozess: Ist das eine gute Sache?

Oder macht ein Leben mit ihnen nur noch komplizierter als es ohnehin schon ist?

Inez Björg David: Ich glaube schon, dass Männer heute sehr stark auf der Suche nach dem Sinn im Leben und im „Mann-Sein“ sind.

Genauso wie die Frauen aber auch sich selbst und „die Frau“ suchen. Ich glaube, die Suche nach dem Selbst oder auch dem Sinn im Leben ist immer gut.

Ich glaube, die Suche an sich hilft einem, falsche oder nicht mehr aktuelle Haltungen oder Eigenschaft loszulassen.

Verstehe mich nicht falsch! Es gibt keinen perfekten oder „richtigen“ Menschen, aber man kann in einem Prozess der Veränderung stecken, es genießen und versuchen, immer besser zu werden.

Oder man sagt: „Ich bin halt so“, und verfällt in eine Art kalte Depression, in der alles immer gleichgültiger und grauer wird.

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Inez Björg David © Knickriem

Ich glaube, dass es ein sehr gutes Zeichen für unsere Welt ist, dass auch der Mann angefangen hat, nach mehr Sinn im Leben zu suchen, als nur Essen auf den Teller zu bringen oder seine Gene so weit zu verbreiten wie möglich.

Allerdings birgt es natürlich auch große Gefahren für unsere Beziehungen. Welche Aufgaben gehören der Frau, dem Mann, der Mutter, dem Vater?

Kleines Beispiel: Mein Mann Mirko kocht sehr gerne und sehr gut! Ich aber eigentlich auch, setze mich da aber tatsächlich nicht so gut durch.

Jetzt, wo wir zwei Kinder haben, habe ich die Krallen etwas ausgefahren und mir den Platz in der Küche etwas mehr eingeräumt.

Ich möchte unbedingt für meine Kinder kochen! Ich möchte mich um sie kümmern und ich möchte sie vor allem in eine kleine Wolke von Wohlbefinden eindecken. Und ich glaube, dass ist tatsächlich auch meine Aufgabe als Mutter.

Nur Mirko macht ja auch unheimlich viel mit den Kindern, ist unglaublich fürsorglich und liebevoll, und das sehe ich auf der einen Seite als ein großes Geschenk für die Kinder – vor allem für unseren Sohn – und auf der anderen Seite habe ich schon gemerkt, dass ich manchmal Angst kriege, dass meine Funktion als Frau und Mutter verlorengeht.

Um wieder auf die Frage zurückzukommen: Ich glaube schon, dass das Leben miteinander komplizierter ist, wenn beide Parteien auf der Suche sind. Wenn beide alle Seiten in sich gleich stark ausleben wollen. Es vermischt sich alles und keiner weiß, welche Position er in der Beziehung einnehmen soll oder kann.

Und wenn wir ehrlich sind: Beziehung geht immer über eine Art Polarität und nicht bedingungsloses Zusammenschmelzen und keiner weiß, wo er anfängt oder aufhört.

Selbstfindung und das Recht auf Andersartigkeit

Thomas Lojek: Wildern Mann und Frau mittlerweile zu sehr auf der Seite des Anderen? Und erzeugen sie damit vielleicht sogar einen ungewollten subtilen Konkurrenzdruck innerhalb ihrer Beziehungen?

Ich weiß, dass viele Männer den Eindruck haben, dass für Beziehungen heute zumindest unterschwellig die Erwartung im Raum steht, dass sie am besten wie Frauen sein sollten, damit es in der Liebe klappt: immer liebevoll, einfühlsam, geduldig, verständnisvoll.

Und als Ergebnis rücken die Frauen dann irgendwann von ihnen ab, weil sie in ihnen „schwach“ und „zu weich“ vorkommen.

Auf der Gegenseite weiß ich aus meinen Beratungen, dass Frauen es zunehmend satt haben, in allen Bereichen „ihren Mann stehen“ zu müssen und sie zutiefst den Fluss einer natürlichen Weiblichkeit in ihrem Leben vermissen.

Haben wir eine politisch korrekte Scheinwelt geschaffen, in die Konzepte der Gleichstellung materiell funktionieren, aber Beziehungen zunehmend leer werden, weil es an Recht auf innere Andersartigkeit fehlt?

Sind es nicht gerade die Augenblicke, wenn uns dieses innere Staunen überwältigt: „Du bist so ganz anders als ich! Und doch: Ich kann weder Augen noch Finger von dir lassen!“, die Essenz der Faszination zwischen Mann und Frau?

Machen wir uns diese Essenz kaputt, weil wir von allem ein bisschen und das möglichst perfekt sein wollen?

Wie gehst du in deinem Leben mit diesem Spannungsfeld aus gerechtfertigter Gleichberechtigung und lebenswerter Unterschiedlichkeit zwischen Mann und Frau um?

Inez Björg David: Ich glaube, dass es nicht nur in romantischen Beziehungen am „Recht des Andersseins“ fehlt.

In jeder gesellschaftlichen Lage haben wir gerade „Gleichstellung“.

Faktisch natürlich überhaupt nicht – nicht beim Lohn, nicht bei den Jobangeboten und auch nicht in Beziehungen.

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Inez Björg David © Knickriem

Ich glaube, wenn es tatsächlich eine Gleichstellung gäbe – eine wahre Gleichstellung mit dem Verständnis, dass jede Art von Anderssein gleichgestellt ist –, dann würde es auch in den Beziehungen keine Probleme dadurch geben, dass Mann und Frau auferlegt bekämen, was Mann und Frau heute tun und können müssten.

Natürlich sind wir anders. Natürlich sollen wir für unsere Arbeit gleichbezahlt werden – auch wenn der eine eher eine Pause auf Grund von Kindern machen muss. Und natürlich sollen unsere Eigenschaften und was wir in der Beziehung mit reinbringen gleichgewürdigt werden.

Was das genau für Eigenschaften oder Energien sind, kann ich Dir auch nicht sagen.

Ich glaube, dass es heute doch etwas individueller zu betrachten ist, da viele Männer tatsächlich einfühlsamer und gesprächiger sind als früher. Was ich gut finde! Mir wäre ein Mann niemals deswegen langweilig.

Und wenn die Frau nicht ihr ganzes Leben sich nur um Haushalt und Kinder kümmern möchte, sollte das auch in Ordnung sein.

Ich glaube, dass die Selbstfindung der einzige Weg ist, endlich intakte Beziehungen zu führen. Beziehungen, in denen wir uns nicht betrügen, belügen und kaputtmachen.

Wer sich selbst treu ist, kann viel besser mit dem Anderssein des anderen umgehen und akzeptieren – ja sogar dankend annehmen.

Dass dieser Mensch meiner Meinung nach in jeder Hinsicht von weniger Gier und „ich ich ich!“ begriffen wäre, würde auch gesellschaftlich Räume schaffen für eine andere Art zu arbeiten, in der es nicht nur um den höchsten finanziellen Gewinn gehen würde.

Ich finde also die Selbstfindung des Mannes und der Frau absolut richtig und notwendig.

Und klar, wird diese Übergangszeit schwierig, da wir Beziehungen logischerweise dann auch neu definieren müssen.

Über den Sinn menschlicher Erfahrungen in der Liebe

Thomas Lojek: Ich weiß, dass du dich intensiv mit fernöstlicher Spiritualität und Yoga beschäftigst.

Dort wird ja auch als Grundidee davon ausgegangen, dass der Mensch ein „Selbst“ hat und dass sich Leid und Kummer einstellen, sobald er sich von diesem Selbst abwendet, um Erfüllung in der Welt zu finden, statt ein Selbst zu sein, das die Welt erfüllt.

Gibt es aus deiner Sicht Parallelen zu dem, was wir heute in unseren modernen Beziehungen zwischen Mann und Frau erleben?

Inez Björg David © Knickriem

Inez Björg David © Knickriem

Inez Björg David: Das stimmt, was du sagst.

Allerdings ist es in der Tradition des Kundalini-Yogas nicht das Ziel, „leidfrei“ zu existieren.

Yogi Bhajan, der Meister des Kundalini-Yogas, hat mal gesagt: „Wir sind nicht Menschen, die hier sind, um spirituelle Erfahrungen zu machen. Wir sind spirituelle Wesen, die hier sind, um menschliche Erfahrungen zu machen“.

Es stimmt, dass es in eigentlich jeder anderen Yogatradition um Askese geht. Sowie es im Buddhismus darum geht, dem Kreis der Wiedergeburten zu entkommen. Also darum, kein Leid mehr zu erfahren.

Denn es ist natürlich so, dass wir in dem Moment, in dem wir uns auf gute Gefühle einlassen, uns auch auf negative Gefühle einlassen. Aber ist das schlimm? Ist nicht auch das nur etwas Momentanes?

Aber ja, die Parallele bleibt trotzdem.

Wie ich es vorhin auch gesagt hatte: dass ein Mensch, der mit sich selbst zufrieden ist, in jeder zwischenmenschlichen Beziehung viel mehr Akzeptanz aufbringen kann.

Wenn er also ein Selbst ist, das die Welt erfüllt, entsteht an dem Partner kein Erwartungsdruck.

Erwartungshaltungen und Liebe ohne Schuldgefühle

Thomas Lojek: Kann es nicht sein, dass die Menschen einfach generell zu viel von der Liebe erwarten?

Die allgemeine Vorstellung von der Liebe ist mittlerweile der Idee der „eierlegenden Wollmichsau“ nicht ganz unähnlich – sie soll die Antwort auf alles sein: Sie soll alles erfüllen, in Ordnung bringen, beleben, Sinn liefern, die Leere vertreiben – am besten wie eine spirituelle Wellness-Oase und emotionaler Freizeitpark in einem.

Ist das nicht alles ein bisschen viel, was der Liebe da insgesamt an Erwartungen aufgebürdet wird?

Inez Björg David: Absolut! Viel zu viel! Und darunter geht sie auch ein.

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es kommt wieder auf den Punkt der Selbstfindung zurück.

Ich finde sie ungeheuer wichtig, denn nur so können wir aufhören, die Anderen für unser Glück und Unglück verantwortlich zu machen.

Und in dem Moment, wo ich meinem Partner ohne Schuld begegne, kann ich auch erst schätzen, was er mir alles schenkt, obwohl er mir durch die Existenz der Beziehung natürlich auch immer gewisse Teile meiner eigenen Freiheit nimmt.

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Inez Björg David © Knickriem

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Die Agenturseite von Inez Björg David

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