Thomas Lojek und Elke Sommer: Liebe, Kunst und Leben

Interview Thomas Lojek und Elke Sommer: Liebe, Kunst und Leben

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Elke Sommer © Baumann

Elke Sommer ist eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen, die ihren Weg in das internationale Filmgeschäft gemacht haben. In den 60ern und 70ern spielte sie in einer Vielzahl von bekannten Filmen und Fernsehserien mit – in Hollywood, Europa sowie in Deutschland.

In den 80ern folgten Rollen in US-Serien wie Loveboat, Fantasy Island oder in aufwändigen deutschen Filmserien wie Peter der Große.

Neben der Schauspielerei ist Elke Sommer vor allem Malerin. Sie stellt ihre Werke seit den 60ern überall auf der Welt aus und die Kunst ist heute ihre Hauptbeschäftigung. Sie ist mit dem Hotelier Wolf Walther verheiratet.

Thomas Lojek ist der Autor von Das geheime Muster der Liebe, Gebrauchsanleitung Mann, Wahre Liebe statt Geliebte sein, Einen Mann emotional dauerhaft binden. Er lebt und arbeitet in Spanien.

In diesem Interview sprechen Thomas Lojek und Elke Sommer über langfristig glückliche Beziehungen, die Schattenseiten von Ruhm und Glamour und den Wandel von Werten zwischen Mann und Frau im Verlauf der letzten Jahrzehnte.

Die Liebe meines Lebens: Einsichten und Erfahrungen

Thomas Lojek: Liebe Elke, auf deiner Homepage bin ich auf einen ganz bestimmten Satz über dich und dein Leben gestoßen: „Sie ist verheiratet mit der Liebe ihres Lebens!“

Es ist nur ein kurzer Satz in einer vielschichtigen und faszinierenden Biographie – und doch finde ich, dass gerade dieser Satz etwas Besonderes aussagt.

Denn ist es nicht genau das, was viele Menschen gerne über sich und ihr Leben sagen würden?

Und trotzdem bleibt dieser Satz für die meisten unerfüllt.

Warum glaubst du, tun sich die Menschen so schwer mit ihren Liebesbeziehungen oder Ehen?

Was braucht es aus deiner Sicht, damit dieser Satz in einem Leben für jeden wahr werden kann?

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Elke Sommer © Sommer

Elke Sommer: Nun, zum einen braucht es Zeit. Man muss erst einmal gelebt haben, um die Liebe seines Lebens finden zu können.

Man muss sich selbst kennen – seine guten und schlechten Seiten –, um sich selbst und dieses Leben bereitwillig und uneingeschränkt mit einem anderen Menschen zu teilen. Liebe ist ja zum Teil Selbstaufgabe. Heute nennt man das gern „Kompromiss“.

Nur ist es egal, wie man es nennt, Tatsache ist: Ein in sich ruhender, fertiger Mensch muss einen Teil von sich selbst aufgeben, damit Raum geschaffen wird für den Teil, den der andere aufgibt.

Nur so kommt es zu einer Verschmelzung, die zu dieser Erfüllung führt, von der so viele träumen, die aber nur für so wenige Wirklichkeit wird.

Weil sie sich nicht aufgeben wollen, in jeder Hinsicht ihr eigener Mensch bleiben wollen, und daran ist nichts auszusetzen, nur wird eine solche Beziehung im besten Fall ein harmonisches Nebeneinander, aber nie ein beseelendes Miteinander.

Außerdem glaube ich, dass viele Menschen sich nicht schwer tun mit ihren Liebesbeziehungen oder Ehen, sondern sich auf schwierige Beziehungen einlassen.

Was sein soll im Leben, ist nach meiner persönlichen Erfahrung ganz einfach.

Wenn erst tausend Hindernisse überwunden werden müssen und der eine Partner erst zig Dinge an sich ändern muss, damit der andere mit ihm zufrieden ist, wird das Ganze zur Tortur.

Jede Ehe macht im Alltag sehr viel Arbeit. Man darf aber nicht schon zu Tode erschöpft sein, bevor man mit der Arbeit anfängt.

Im Gegenteil, man sollte Kraft aus dieser Liebe schöpfen, die zu der Verbindung geführt hat, und die, wie ich nach nunmehr zwanzig Ehejahren mit meinem Ehemann Wolf sicher weiß, immer größer und immer selbstverständlicher wird.

Wir leben nicht nur miteinander, wir lassen einander „sein“ und wachsen dadurch immer mehr zusammen.

Liebe zwischen Glamour, Reichtum und Erfolg 

Thomas Lojek: Du bist eine der wenigen deutschen Künstlerinnen und Schauspielerinnen, die auch international und vor allem in Hollywood Fuß fassen konnten.

Viele Menschen leben mit der Vorstellung, dass Ruhm, Schönheit und Erfolg zu einem besseren Leben und damit auch zu mehr Liebe oder aufregenderen Liebesbeziehungen führen.

Durch deinen Werdegang hast du das alles selbst aus nächster Nähe sehen und erleben können – ist es wirklich so, dass Glamour, Ruhm, Schönheit und Erfolg die Liebe einfacher und insgesamt glücklicher machen?

Oder gibt es ganz andere Wege, Werte und Erkenntnisse, die man deiner Ansicht nach in der Liebe berücksichtigen sollte – ganz unabhängig davon, ob man als Star in Hollywood oder als Angestellte in der Provinz lebt?

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Elke Sommer © Sommer

Elke Sommer: Wer reich, schön und berühmt ist, bekommt natürlich gern und häufig vermittelt, dass er oder sie begehrens- oder gar liebenswerter ist als andere Menschen. Vornehmlich von Zeitgenossen, die sich ihrerseits nach Reichtum und Glamour verzehren und für die Liebe gleichbedeutend ist mit Abfindung.

Glamour ist etwas Unechtes und Aufgesetztes, Schönheit ist vergänglich und Ruhm und Erfolg sind von so vielen verschiedenen Faktoren abhängig, dass man sich als feinsinniger Mensch gar nicht damit befassen möchte.

Reich, schön und berühmt zu sein, macht weder das Leben, noch die Liebe einfacher und glücklich macht es ganz bestimmt nicht.

Die Werte verschieben sich ja. Die einen sind betrübt, weil sie im nächsten Monat die Miete nicht zahlen können, die anderen, weil sie Angst haben, sich die Hypothek für die Dritt-Immobilie auf Hawaii im nächsten Monat nicht mehr leisten zu können.

Die eine Frau ist unglücklich, weil sie seit den Wechseljahren so dick geworden ist, die andere ist es, weil die vierte Brustvergrößerung in die Hose gegangen ist – wörtlich zu verstehen.

Wer seine Gefühle für einen anderen Menschen davon abhängig macht, welchen Status dieser andere Mensch in der Welt und in der Gesellschaft hat, ist ungeheuer verletzbar. Ein Flop und der Erfolg war mal, ein Unfall und die Schönheit ist dahin.

Paare, die ihr gemeinsames Leben im Schatten von Glamour, Ruhm, Schönheit und Erfolg leben müssen, können das nur, indem sie sich bewusst machen, wie kühl und ungemütlich es dort ist.

Und dann gilt es, sich eine Art von Refugium zu bauen, in das dieser Schatten nicht eindringen kann. Wo man ganz man selbst sein kann und keine Figur sein muss, die eine Rolle spielt.

Und das gilt für einen Hollywood-Star ebenso wie für eine Angestellte in der Provinz.

Werte in Beziehungen – Glück und Stabilität für die Liebe

Thomas Lojek: Du hast das Leben und die Welt in ganz unterschiedlichen Ländern, Jahrzehnten und Entwicklungen kennengelernt.

Würdest du sagen, dass sich das Miteinander von Mann und Frau über diese Zeit verändert hat – gesellschaftlich und persönlich?

Wie steht es deiner Meinung nach um die Liebe und die Werte zwischen Mann und Frau: Machen wir Fortschritte?

Oder wird das Verhältnis insgesamt schlechter? Oder bleibt zwischen Mann und Frau im Grunde doch nur immer alles gleich – egal welcher Zeitgeist gerade herrscht?

Elke Sommer: Zwischen liebenden Paaren ist es aus meiner Sicht heute wie vor fünfhundert Jahren, in Europa ebenso wie im hintersten Winkel irgendeines entlegenen Savannendorfes: Mann und Frau achten und schätzen einander und leben ihre Liebe im Alltag auf eine ganz selbstverständliche Art und Weise.

Nur sind liebende Paare halt eine Rarität, und das zu finden, ist nicht nur ein Geschenk des Himmels, sondern auch ein irdischer Luxus.

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Elke Sommer © Sommer

Früher hatten nur wenige Frauen einen Beruf und mussten – vor allem, wenn Kinder da waren – bei ihren Ehemännern bleiben, auch wenn sie in ihren Beziehungen unglücklich waren.

Heute wollen die Frauen sich erst eine eigene Existenz aufbauen, bevor sie eine Familie gründen, und dadurch gehen nach dem, was ich in meinem ganz persönlichen Umfeld sehe, mehr Ehen auseinander als früher.

Denn die Frauen begnügen sich nicht mehr mit einer mittelmäßigen Beziehung, um die Familie zusammenzuhalten.

Sie lösen sich aus ihren Ehen und dadurch gibt es immer mehr Singles.

Und die gewöhnen sich nicht nur an ihr Single-Dasein, sondern finden auch Gefallen daran.

Ab und an haben sie sexuelle Beziehungen, pflegen daneben einen kleinen Freundes- und einen großen Bekanntenkreis, und existentiell stehen sie auf eigenen Beinen.

Für mich persönlich wäre ein solches Leben die Hölle gewesen, nur war ich auch nie von einem Mann abhängig.

Ich war so jung, als ich Karriere machte, und habe so früh so viel Geld verdient, dass ich nie um persönlichen Freiraum in einer Beziehung kämpfen musste.

Ich glaube, dass die Gesellschaft, in der wir heute leben, darauf zusteuert, nur noch aus Einzelwesen zu bestehen, die zum Zwecke der Fortpflanzung mal kurzfristig eine Beziehung eingehen.

Vielleicht brauchen die ganz jungen Leute aber auch gar nicht mehr eine Beziehung, denn sie interagieren heutzutage ja viel mehr, als das zu meiner Zeit der Fall war. Ich saß ja noch und las verzückt einen Liebesbrief.

In der Zeit, die ich brauchte, um den zu öffnen und zu genießen, haben die Jugendlichen heute schon zehn Tweets geschrieben, fünf E-Mails, sieben SMS, zwei Faxe, und das Handy vibriert, dass es vom Tisch rollt.

Kunst und Liebe – Kreativ leben, leidenschaftlich lieben!

Thomas Lojek: Du bist neben deiner Tätigkeit als Schauspielerin vor allem Künstlerin und Malerin.

Ich frage in meinen Interviews die beteiligten Künstler gerne, ob oder welche Ähnlichkeiten es zwischen Kunst und Liebe gibt. Bestehen aus deiner Sicht Verbindungen zwischen der Liebe und dem Verlangen zu erschaffen, darzustellen und besondere Momente durch eine Kunst festzuhalten?

Elke Sommer: Liebe und Kunst sind für mich das Gleiche: kreative Kraft. Jeder Schauspieler, der eine Rolle in einen Menschen verwandelt, der aus Fleisch und Blut zu sein scheint, und jeder Maler, der eine leere Leinwand zum Leben erweckt, tut das aus Leidenschaft heraus und Leidenschaft ist der Funke, der die Flamme Liebe entzündet und sie zum Lodern bringt.

Künstler folgen bei ihrer Arbeit ihren Eingebungen, Menschen folgen in der Liebe ihren Urinstinkten.

In beiden Fällen ist dieses Etwas eine Kraft, die mit nichts zu vergleichen ist und der man sich auch nicht entziehen kann.

Deshalb neigen meines Erachtens so viele Künstler zu Ausschweifungen.

Ich selbst kann nichts nur „ein bisschen“ tun. Vor allem will ich das nicht.

Wenn es mir reicht, ein bisschen zu lieben und ein bisschen zu arbeiten, kann ich es nach meinem Empfinden gleich ganz lassen.

Das bisschen Kraft wäre dann noch verschwendet.

So habe ich mein Leben lang gearbeitet – und geliebt.

Und ich bin glücklich damit geworden.

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