Interview: Thomas Lojek und Frank Goosen im Gespräch

Über Jugendliebe, Alpha-Männer und die eine ganz besondere Frau im Leben eines Mannes. 

Frank Goosen ist ein bekannter deutscher Autor und Kabarettist.

Zu seinen erfolgreichsten Veröffentlichungen gehören die Romane „Liegen lernen“, „Pokorny lacht“, „So viel Zeit“ und „Sommerfest“.

Der Roman „Liegen lernen“ wurde 2003 mit Fabian Busch und Susanne Bormann in den Hauptrollen sehr erfolgreich verfilmt.

Frank Goosen wirft in seinen Romanen und Geschichten oft einen humorvollen Blick auf das Leben und die Beziehungen von Männern Ende Dreißig/Anfang Vierzig – ihr Blick zurück auf die Jahre der Jugend, die Suche nach der eigenen Identität als Erwachsene und ihre alltäglichen Schwierigkeiten mit den Frauen während dieser Zeit.

Frank Goosen ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Bochum. 

Thomas Lojek ist Autor von “Die Gefühle der Männer 1+2”, “Wahre Liebe statt Geliebte sein” und “Das geheime Muster der Liebe”. Er lebt und arbeitet in Spanien.

Thomas Lojek und Partnerin

Über Traumfrauen und die erste ganz große Liebe

Thomas Lojek: Lieber Frank, du hast in „Liegen lernen“ mit dem Charakter Britta eine sehr interessante Frauen-Figur geschaffen, die sogar häufig in meiner Community diskutiert wird.

Obwohl die Figur Britta jetzt nicht unbedingt sympathisch oder besonders liebenswert ist, schafft sie es dennoch, die Hauptfigur Helmut emotional äußerst intensiv an sich zu binden.

Ihre Beziehung verläuft nicht besonders lange und obwohl sie dann im weiteren Romanverlauf längst vorbei ist, bleibt Britta für Helmut noch über Jahrzehnte die absolute Traumfrau – das emotionale Zentrum seiner Erinnerungen und der ultimative Maßstab, an dem sich alle anderen Liebesbeziehungen in seinem Leben messen müssen.

Selbst wenn Britta und Helmut fiktive Charaktere sind, stecken doch ganz sicher einige allgemeingültige Wahrheiten in diesen Figuren.

Was macht Britta aus deiner Sicht anders als andere Frauen, dass sie fähig ist, einen Mann so lange emotional in Besitz zu nehmen?

Ist das nur eigene generelle Schwäche von Helmut oder steht dahinter eine universelle Wahrheit, was Frauen für uns Männer anziehend und faszinierend macht?

Frank Goosen: Die Gründe, warum Helmut so lange von Britta nicht loskommt, sind sicher nicht nur in ihrer Persönlichkeit zu suchen.

Sie ist eine faszinierende Frau, die Schönheit, Intelligenz und Leidenschaft mit einander verbindet.

Leidenschaft nicht nur in Liebesdingen, sondern z. B. in politischen Fragen. Vor allem aber eröffnet sie Helmut eine neue Welt.

Er selbst kommt aus kleinbürgerlichen, beengten Verhältnissen, und Britta repräsentiert ein offenes, künstlerisch geprägtes, politisch bewusstes Milieu.

Das Motiv des sozialen Aufstiegs spielt oft eine große Rolle in meinen Büchern.

Dass die Beziehung zu Britta durch ein enormes Gefälle gekennzeichnet ist, nimmt Helmut hin oder er verdrängt es.

Er liebt sie sehr viel mehr als sie ihn.

Gleichzeitig sind seine Gefühle für sie von einer Reinheit und Unschuld, zu der wir alle meist nur in Jugendjahren fähig sind.

Was nicht heißen soll, das später geschlossene Beziehungen nicht auch wahrhaftig sein können, aber mit fünfzehn, sechzehn ist es so neu und eindeutig und bedingungslos, dass wir uns später immer wieder in diesen Stand der Reinheit und Unschuld zurücksehnen.

Deshalb sind Coming-of-Age-Romane auch oft so erfolgreich.

Die ganz große Frage im Leben: Ist Liebe generell unfair?

Thomas Lojek: Glaubst du, dass das Leben generell etwas unfair in der Liebe ist?

Frauen, wie die gutmütige Giesela, die in „Liegen lernen“ alles für ihre Beziehung mit Helmut macht, bekommt die Tränen der Enttäuschungen, und Frauen, wie Britta, die nicht viel auf die Gefühle anderer Menschen geben, ernten die Lorbeeren?

Ist das so in der Liebe?

Muss man sich darauf einstellen, auf der Verliererseite zu stehen, wenn man zu gutmütig und zu bemüht in der Liebe ist?

Frank Goosen: Nein, das glaube ich nicht.

Ich glaube aber, dass jeder diese Erfahrungen macht, solange er oder sie nicht die Frau oder den Mann gefunden hat, mit der oder dem es passt, wo es also nicht das emotionale Gefälle wie zwischen Britta und Helmut oder Helmut und Gisela gibt.

Und diese Haltung „Ich bin einfach zu gutmütig für diese Welt“ hat auch etwas Eitles und Selbstmitleidiges.

Echte Männer, starke Frauen und hysterische Delta-Mädchen

Thomas Lojek: Im Moment existiert ein allgemeiner Trend, dass Männer wieder richtige Männer sein sollten.

Am besten das Alpha-Tier, der Macher, zupackend, mit stechendem Blick, Six-Ppack und unerschütterlichemn Selbstvertrauen, soll man(n) nach demn Leben und den Frauen greifen – ansonsten bleibt die eigene Existenz als Mann fragwürdig und das Bett jede Nacht leer.

Was hältst du von diesem Trend?

Kann man als Mann mit dem Leben -– und vor allem den Frauen -– auch ohne sich den Alpha-Tier-Orden auf der Brust zurecht kommen oder sind Keule und Fell im Handgepäck einfach obligatorisch für ein erfolgreiches Leben als Mann?

Frank Goosen: Ich kann diesen Trend, so ehrlich gesagt, so nicht sehen.

Vielleicht bin ich von zu vielen starken Frauen umgeben, in deren Gegenwart klassische Alpha-Männchen sich nicht wohlfühlen.

Mag sein, dass in der medialen Vermittlung, zum Beispiel in der Werbung, „echte“ Männer dominieren, aber war das jemals anders?

Ich denke da mal an den Camel-Mann, der sich ein Loch in den Schuh latschte, nur um an die Kippe seiner Wahl zu kommen.

Ist das echte Männlichkeit?

Oder doch eher die Zwangsneurose eines Nikotin-Junkies?

Und wer steht ansonsten für den „Mann von heute“?

Die Gerichtsmediziner-Karikatur im Münsteraner „Tatort“ oder der gebrochene Typ, der jetzt in Dortmund ermittelt?

Viel schlimmer finde ich das Frauen- und Mädchenbild, das über einige Casting-, Model- und Kuppelshows transportiert wird.

Hysterische, verhaltensauffällige Beta- oder Delta-Mädchen sollen lernen, sich für Männeraugen herzurichten, im Äußeren wie im Verhalten.

Zum Glück ist auch das nur die Wahrheit des Fernsehens und nicht die „echte“.

Der Traum von der ewig glücklichen Liebe… oder: Endzustände sind was für Idioten!

Thomas Lojek: Was glaubst du persönlich, ist die größte Schwierigkeit zwischen Mann und Frau? Und wie arrangiert man sich am besten damit oder behebt diese Schwierigkeit – falls das überhaupt möglich sein sollte?

Frank Goosen: Es gibt keine Schwierigkeiten zwischen Mann und Frau, es gibt nur Schwierigkeiten zwischen Individuen.

Und die sind eigentlich immer in der Kommunikation begründet.

Da ist nichts zu „beheben“.

Ich hänge es jetzt mal ganz hoch: Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von den Versuchen, irgendwie mit einander klarzukommen.

Das ist ein ewiger Prozess, der nie zu Ende sein kann.

Wer die Sehnsucht nach endgültigen Zuständen verspürt, soll sich die Tabelle der Bundesliga nach dem 34. Spieltag anschauen.

Ansonsten geht es eben immer weiter.

Das Paradies ewigen Glücks ist genauso langweilig wie die Hölle ewiger Verdammnis.

Endzustände sind was für Idioten.

Ich will auch noch in zwanzig Jahren an meiner Frau Neues entdecken, egal, ob es mich ärgert oder freut.

Das Tolle an Männern und Frauen sind nicht ihre Gemeinsamkeiten, sondern die Unterschiede.

Homepage Frank Goosen

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